menschen, bilder, sensationen…

Posted on December 7th, 2005 by delijha.
Categories: gruebeln.

brauchen wir bilder, damit dinge fuer uns real sind? damit sie bedrohlich sind, damit wir uns schuldig fuehlen und etwas tun? manchmal hab ich schon das gefuehl – ein gutes beispiel ist jetzt aktuell, das der entfuehrten deutschen im irak. es gibt nur wenig – bis auf dieses eine standbild da und der spektakulaeren BILD! schlagzeile ‘wird sie gekoepft?’. wenn man sich dann das beispiel der italienischen geisel anschaut, ebenfalls im irak, journalistin(allerdings bekannt im land) – dort gab es demos, die ihre freilassung forderten. man hatte alles in allem mehr den eindruck, dass irgendwas passierte. jetzt im fall der deutschen sind doch fast zwei wochen um, ohne das irgendjemand irgendwas weiss. auch dass es eigentlich um zwei personen geht, interessiert scheinbar keinen, auch wenn der fahrer nicht deutsch is, faend ich es erfreulich, wenn sich jemand drum scheren wuerde.

wenn ich mich an die ddr zeiten erinnere, erinnere ich mich vor allem daran, dass niemand (zumindest bei uns in der kleinstadt) die haustueren verschlossen hatte. nagut, es war nicht nur die DDR, sondern auch die “zeiten”. wir wurden eh akribisch abgeschirmt von gewalttaten und all dem gruseligen zeug, das heute so auf uns einschlaegt. alle paar monate gabs mal nen ‘kindermoerder’, vor dem gewarnt wurde und man dann immer frueher zuhause sein musste usw. – aber das wars. keine ahnung, wies fuer den rest der bundesrepublik aussah.

allerdings glaube ich, man wird nur heute einfach mit jedem “scheiss” bombardiert. all dies perverse, grausame und widerliche passierte auch frueher schon – nur heute scheinen die medien immer mehr mit der sensationsgier der menschen zu spielen. es gibt nich viiiel mehr verbrechen als frueher – schon gar nich mehr leid (mal abgesehen vom zusaetzlichen leid, das mr. bush verbreitet) – in afrika waren die zustaende schon immer so, wie sie sind
- nur interessiert es kaum noch wen (das jemand, der dort ein monatseinkommen von 40 dollar hat, ein reicher mann is und das monatliches einkommen noch das groesste glueck ist, das es dort gibt) – in indien kann eine ganze schulklasse inklusive lehrerschaft fuer ein jahr mit nur 12000 euro unterhalten werden-es gibt ein paar mal im jahr irgendwelche spenden galas, die jedermanns gewissen befriedigen sollen und ich stehe auch einigen zu, dass sie es ehrlich meinen.

ich selbst spende auch nur 10 euro regelmaessig im monat. aber denke ich dran? die 10 euro sindn dauerauftrag und ich bin mir nicht mehr wirklich bewusst, was damit passiert. schau mir nicht die projekte an, die gemacht werden – nichts. ein arbeitskollege spendet seit 2000 40 euro im momat fuer ein kind in thailand – hat diesem aber auch noch nicht einmal geschrieben, hat nicht einen plan, was eigentlich los ist. da frag ich mich echt -
spenden wir, um unser gewissen zu beruhigen? ich bild mir ein, frueher war ich anders – soziales jahr usw – dabei hab ich wesentlich weniger verdient damals. heute wo ich viel mehr chancen haette, mich auch mit geld zu engagieren, tu ich es nicht.

ich wollte aber nochmal auf die bilder zu sprechen kommen. mir scheint es tatsaechlich so: wenn es bilder gibt (am besten widerlichstens, unmenschlichsten, skandalösten), dann gehen uns sachen nahe, dann sind wir dagegen, dafuer – dann spenden wir, dann verurteilen wir – dann kratzt es uns.

ein gutes beispiel ist hier der tsunami in thailand – was wurde da gespendet? ich fands den wahnsinn – wahnsinn deswegen, weil z.b. das leid in afrika und anderswo scheinbar zu alltaeglich geworden ist, als dass das noch aufsehen erregen wuerde. nichts gegen thailand, es gab viel leiden dort – aber dennoch kam es mir wien riesen werbegag teilweise vor – werbung fuer grosszuegigkeit – werbung, zu helfen, ein touristikgebiet wieder aufzubauen.

noch wahnsinniger fand ich, dass alle welt sich noch wochen spaeter fuer den tsunami in thailand interessierte, waehrend in pakistan nach dem erdbeben tatsaechlich hilfe gebraucht wurde. aufgrund der verschuettungen und nicht erreichbarer landschaften gab es natuerlich wenige bilder ueber die katastrophe – zudem: ist den pakistan denn medieninteressant? will das jemand wissen? – scheinbar nicht, pakistan ging in den medien unter, wie das land dort selbst. bis heute gab es dort, aufgrund des erdbebens, 86000 tote und ueber 3 millionen menschen, die obdachlos wurden. es sterben taeglich immer noch menschen – so wie sie es in afrika tun, so wie es 80 millionen strassenkinder gibt, so wie es in vielen gebieten keine stabilen ökosysteme gibt und dadurch verschmutztes wasser (an dem menschen sterben), so wie es den ruanda genozid gab (den keiner verhindert hat und der fuer mich der inbegriff des unmenschlichen ist) und viele andere dinge, fuer die wir uns nich mehr interessieren, solange es keine schockierenden bilder im fernsehen gibt, die einem das leiden vor die augen fuehren und wahrscheinlich solange unterbewusst am gewissen zerren, bis es endlich anfaengt uns zu beruehren.

ich weiss auch, dass mich das hier nich dazu bringen wird, etwas zu aendern – mir kam es nur mal wieder in den sinn, als ich heute zeitung gelesen habe – wie ich sachen ueberlesen habe, weil sie gar nich so spektaluaer waren, wie ich es gern haette. ich glaube, jeder mensch ist auf irgendeine weise, sensationsgeil. ich vergleich das immer mit ueberfahrenen tieren – ich wills mir nich anschauen, weils eklig is, aber kriech dann doch ran – das is dann so ne mischung aus schockiert sein, ekel und interesse – und ich denke, genau das ist es bei vielen menschen auch mit themen im fernsehen – nur das sich die genannten attribute anders aufteilen.

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