nun hat mich was zum schreiben gebracht. ein thema, dass ich gedanklich schon wieder viel zu oft durchgekaut habe…letztens erst besprochen habe. dabei faengts damit eigentlich schon an. sprechen. einfach mal wieder die fresse halten, waere naemlich besser.
ich weiss nich, wo ich anfangen sollte. vielleicht bei frueher und wie man sich so weiter entwickelt. frueher war ich extrovertiert, frueher hab ich gerne viel show gemacht, hoffentlich war ich dabei immer charmant und nie arrogant. ich hab nie das falsche gesicht davor geschoben, war nie aufgesetzt – hab mir dadurch auch nicht immer freunde gemacht. kommt nicht gut an, wenn man immer sagt, was man denkt. vieles sagt man auch, weil man den gegenueber falsch einschaetzt, weil man ihm zuviel zutraut. weil man denkt, er koenne viel einstecken.
egal. ich konnte auch gut zuhoeren. immer schon. immer schon, dachte ich auch, ich waere psychisch unheimlich stark und koennte bis ins unendliche input vertragen. sorgen von freunden hier, probleme fremder da und immer konnte ich sagen: redet nur, ich hab selbst ja keine, also helf ich euch gerne. weiss gar nicht, wohin mit meinem ganzen positiven karma. vielleicht dachte ich also auch, ich koenne selber viel einstecken. kann ich aber nicht. oder nicht mehr. weiss ich gar nicht, ehrlich gesagt. die vergangenheit verwischt ja so – ich definiere (kotz) mich auch lieber jetzt …was war, kommt ja eh nicht wieder und wenn ich mich nicht entwickelt haette, wuerde ich schon maechtig ins gruebeln kommen.
wo warn wir? ich konnte also zuhoeren….
und sie redeten und redeten und redeten. man bekommt das gefuehl, die ganze welt besteht nur noch aus problemen. ich will hier jetzt nicht gross reden – ich bin kein samariter, ich fuehlte mich oft als hobbypsychologe, der staendig rumanalysieren sollte fuer andere. irgendwann dachte ich dann sogar, ich muesse unbedingt psychologie studieren.
ich sags euch an dieser stelle ganz offen: ich will nichts mehr hoeren. gar nichts mehr. am liebsten sind mir heute leute, die die klappe halten. die sich nicht so wichtig nehmen. deren leben sich nicht seit 10 jahren im kreis dreht und wenn doch: sie es kapiert haben, den mund halten und/oder professionelle hilfe in anspruch genommen haben. eigentlich bin ich introvertiert und seit ich begriffen habe, dass die meisten worte eh nur ungehoert verpuffen, bin ich auch still.
ich kann immer noch die ganz grosse show machen, ich kann reden wie ein wasserfall – gluecklich bin ich dabei nicht mehr. die schoenen momente, sind die stillen momente.
heutzutage sind mir die liebsten freunde, die, die es ueber die jahre geschafft haben. einige blieben auf der strecke. gerade vor nicht soo langer zeit musste ich mir eingestehen, dass mich mit einem alten freund nichts ausser der vergangenheit verbindet. das ist nichts schlechtes. naja, es ist ganz einfach so, dass ueber gottunddieweltreden auch fuer bekannte reicht, ein freund sollte einen auch am eigenen leben teilhaben lassen bzw. interesse am leben des anderen haben. pauschal gesagt, denn darum gehts hier gerade nicht.
einige haben es ueber die jahre geschafft. da kann ich unbeschwert sein, da kann ich die klappe halten. da wird nicht gefragt, ob was is, wenn ich mal 10min den rand halte und mal nicht die spasskanone spiele.
ich rede uebrigens auch sehr viel. nicht, dass nun ein falsches bild entsteht. ich versuche mir nur die bedeutungsleeren worte zu sparen. ich flippe dann meistens gerade komplett aus und fluche in sprachen, die ich nie sprechen gelernt habe. ansonsten bin ich auch gerne ansprechbar, wenn um massenmoerder, den roten knopf, verschwoerungstheorien, horrorfilme, pornos, musik und mundgeruch, geht. man sollte sich auch unbedingt ueber leute, die viel im fahrstuhl reden, unterhalten. darueber kann man wirklich 14 stunden am stueck reden…aber das is wieder ein anderes thema.
misanthroperweise habe ich im moment keine lust, neue menschen kennenzulernen. zumindest lege ich es nicht drauf an. wenn man zufaellig irgendwo auf neue leute trifft, weil man sich mit freunden/bekannten trifft, sind mir die nicht unbedingt unsymphatisch, sie sind einfach nur laut, reden viel, wirken wie aufgeregte huehner… und ja, so arrogant es klingt: sie wirken oberflaechlich. wenn sich einmal einer meiner blicke mit jemandem treffen wuerde, der ebenso vorsichtig beobachtet, die leute sondiert, ich wuerd ich mich zu ihm stellen und die fresse halten. danach wuerd ich nach hause gehen und koennte mir sicher sein: ja, es gibt noch menschen, die einfach nur existieren. die nicht staendig ueber sich reden wollen, nicht staendig ihre lebenserfahrung auf die teppiche anderer kotzen wollen, ihre coolness und den naechsten hippen scheiss direkt vor sich her tragen.
ich kann die welt nicht durch meine gerede retten. ich kann die leben von freunden nicht durch reden in die hand nehmen. ich kann ihnen zuhoeren und schweigen und ich kann sie in den arm nehmen. mehr moechte ich, um meines eigenen seelenfriedens, nicht mehr tun. dazu bin ich faehig, darin bin ich gut. fuer alles andere gibt es das internet.
und nein @Kollege M. – du faellst auch raus. du drehst dich auch im kreis, oefter. manchmal. aber ich rede trotzdem sehr gerne mit dir.
danke bastiH – das ist deine schuld jetzt 
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